The Final Game !?!
- balouelf

- 18. Sept.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Sept.

Foto: Just Shots @justshots.de
Im ELF-Finale 2025 schlägt Stuttgart Surge die Vienna Vikings 24:17 und wir haben ein in vielerlei Hinsicht denkwürdiges Finale erlebt. Möglicherweise geht dieses Spiel auch als das finale Spiel der ELF in die Geschichtsbücher ein. Aber unabhängig davon, hat dieses Championship Game mal wieder gezeigt, wieviel Potenzial in einer europäischen Football Liga, wie immer sie dann heißen möge, steckt. 36.784 Zuschauer vor Ort, eine gelungene Pre-Game Party vor dem Stadion, eine Spider Cam, die tolle Bilder lieferte, eine Halftime Show die diesen Namen auch verdiente, live im Free-TV auf einem großen Sender und ein Spiel das bis zum letzten Drive spannend war … Football Herz was willst du mehr?

Foto: Just Shots @justshots.de
Das Spiel
Dieses Finale kam in seiner Spannung und Ausgeglichenheit an das erste ELF-Finale zwischen Galaxy und den Sea Devils heran. Zwei starke Mannschaften lieferten sich ein Match auf Augenhöhe, was auch die Zahlen belegen. Hier nur mal kleiner Ausschnitt aus der Statistik, zum Vergleich:
Fist Downs: 19 zu 15 für die Vikings
Total Yards: 317 zu 273 für Surge
Total Plays: 68 zu 55 für die Vikings
Sacks: 8 zu 2 für Surge
Time of Possession: 34:24 zu 25:46 für die Vikings
Spielentscheidend war für mich, dass Surge konstant gepunktet hat (im 1., 2, und 4. Viertel jeweils ein TD und im 3. Viertel ein FG), während es den Vikings in der zweiten Hälfte nicht gelungen ist, Punkte auf die Anzeigentafel zu bringen. Der Schlüssel lag dabei für mich in der Surge D-Line. Aufgrund der vielen starken Passrusher im Kader, konnten sie den Druck auf Ben Holmes über das ganze Spiel hochhalten (8 Sacks, davon alleine 3 durch Lachmann) und durchwechseln, während die Vikings O-Line irgendwann dem Druck nicht mehr Stand halten konnte und so die Offense der Vikings ins straucheln geriet. Die Leistung von Surge und besonders von Hennessy erscheint zudem in einem noch besonderen Licht, wenn man bedenkt wie zu hören war, dass Hennessy, Fettig und Wilson (also 3 ihrer 4 A-Spots) verletzt die Woche vor dem Spiel nicht trainieren konnten. Hennessy war wohl bis kurz vor dem Spiel fraglich …

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Was den Schlüssel zum Spiel an ging, hatte ich die Gelegenheit Co-Defense Coordinator of the Year, Cody Pastorino nach seiner Einschötzung zu fragen, hier also aus berufenem Munde:
"We settled in. Every team will have their wrinkle/change up for you and then everything just happens at a different speed than how you practiced so I feel we got comfortable with the game speed, got a feel for their wrinkle, made an adjustment or two and then tightened things up. We had some opportunities in the 1st 3 drives to stop them whether it was a 4th and long, opportunity for an interception or two, face mask penalty which gave them a 1st down, we just tightened things up."
Cody Pastorino, Co-Defense Coordinator Stuttgart Surge

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Die Halbzeit Show
Man kann ja zurecht eine ganze Menge Dinge an der ELF kritisieren, aber dieses Finale hat mal wieder bewiesen, die ELF hat den American Football in Europa weitergebracht und mit ihren Final-Veranstaltungen haben sie eine Benchmark gesetzt. Man hat z.B. auf Schalke oder jetzt in der MHP-Arena in Stuttgart den Weg in die großen, modernen Arenen geschafft. Die ELF hat American Football Spiele mit europäischen Teams mehrfach vor über 30.000 Zuschauern ausgetragen. TV-Übertragung mit eingeblendeten First Down Linien, einem Videobeweis und jetzt zuletzt in Stuttgart, mit einer SpiderCam ermöglicht. Auch was die Partys vor den Finalen betrifft, sucht das in Europa seines gleichen. Aus meiner Sicht, hat man dieser Entwicklung mit der Halbzeitshow der Fantastischen Vier die Krone aufgesetzt. Es war ein kurzweiliger Auftritt in der Halbzeitpause, von musikalischen Größen im deutschsprachigen Raum, also etwas das auf die meisten Zuschauer vor Ort passen sollte. Selbstverständlich kann eine Halbzeitshow nie den Musikgeschmack aller Besucher (und TV-Zuschauer) treffen, aber das ist ja auch gar nicht das Ziel. Dabei sei auch lobend erwähnt, dass die technische Umsetzung richtig gut war. Der Ton war sowohl im Stadion als auch am TV richtig gut.

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Natürlich kann eine NFL mit ihren Milliarden Umsätzen all das noch besser. Aber all das hat die ELF in den Football nach Europa geholt, auf einem Level von dem hier vor 5 Jahren noch niemand geträumt hat.
Deshalb sage ich, selbst wenn die ELF am 07.09.2025 ihr letztes Spiel bestritten hat, hat sie Möglichkeiten aufgezeigt von denen vorher niemand zu Träumen gewagt hat. Sie hat eine Benchmark gesetzt, an der sich eine mögliche neue Liga der EFA wird messen lassen müssen. Sie hat der GFL und anderen nationalen Ligen Blaupausen geliefert, wie American Football in Europa auch aussehen kann.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle, unabhängig von allem was auch schiefgelaufen ist, Patrick Esume und Zeljko Karajica danken, für ihren Mut und ihre Fantasie eine solche Liga auf die Beine zu stellen!

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Und jetzt ?
Wenige Tage nach dem Finale verkündete die EFA, dass die Teams ihres Zusammenschlusses nicht am ELF-Spielbetrieb 2026 teilnehmen werden. Letztlich denke ich, dass dies der endgültige Todesstoß für die ELF ist. Wenig später erklärte Zeljko Karajica zwar, dass die ELF auch 2026 an den Start gehen wird und das 11 der aktuellen Teams noch vertraglich an die ELF gebunden seien, aber dies scheint mir nur noch der verzweifelte Versuch sein, die Liga zu retten. Robin Lumsden Owner der Vienna Vikings und seines Zeichens Anwalt von Beruf, bezeichnete im ORF die Aussage von Zeljko Karajica als „Nebelgranaten“ … zum einen würden die meisten Verträge nur bis zum Ende des Jahres laufen und zum anderen sei die ELF nachweislich ihren vertraglichen Pflichten nicht nachgekommen und somit die Verträge kündbar.
Grundsätzlich würde ich Herr Karajica zutrauen, dass er es trotzdem schafft 2026 eine Liga an den Start zu bringen, nur mit welchen Spielern. Ihm bleiben noch die Sea Devils, Centurions, Mercenaries. Dazu könnte es ihm vielleicht gelingen die Seamen zurück zu holen, womit man aber immer noch bei nur vier Teams wäre. Neben der Tatsache, dass ihm für einen echten Ligabetrieb dann immer noch mindestens 2-4 Teams fehlen würden, wäre wahrscheinlich das größte Problem, dass kein guter Spieler mehr für die Sea Devils, Centurions oder auch Mercenaries spielen will. Die Football Community in Europa ist ein kleiner untereinander vernetzter Haufen und es ist dort ein offenes Geheimnis, wie mit den Spielern und den vertraglichen Verpflichtungen gegenüber ihnen umgegangen wurde. Die Spieler der Sea Devils sind ja sogar an die Öffentlichkeit gegangen und haben klar gesagt, dass sie nicht mehr für ein Team spielen werden, dass der SEH gehört (eine Firma von Zeljko Karajica).
Ich lege mich fest, das Finale in Stuttgart war das letzte Spiel der ELF und ab 2026 werden wir eine Nachfolge-Liga unter Leitung der EFA sehen, mit 12 bis 16 Teams. Neben den 11 Teams der EFA werden die Ravens aus München mit an den Start gehen, womit wir die wahrscheinlichsten Teams haben. Vorstellbar wären noch neue Teams in Amsterdam, London, ein weiteres Team in Frankreich und in Köln. Aber das sind wahrscheinlich eher Optionen für 2027.
Aber ihr kennt das ja, ist nur meine Meinung ...…

Foto: Foot Bowl / Klaus Sack
Mein Highlight der Woche ist Louis Geyer. Er war von Season 1 an als Homegrown bei der Surge dabei (mit einem Jahr in Köln bei den Centurions) und krönt seine ganz eigene ELF-Reise als Stuttgarter in der großen Arena seiner Stadt mit dem Champion und Final MVP Titel! Dabei lieferte er ein Spiel ab, dass einem A-Import würdig gewesen wäre … das ist was sich so viele gewünscht haben, dass Homegrown Spieler ihr können zeigen können und die verdiente Anerkennung bekommen.

Foto: Just Shots @justshots.de
Aber ist nur meine Meinung ...…
In eigener Sache: Der Blog heißt „Nur meine Meinung“, weil ich ernsthaft an eurer Meinung interessiert bin. Ich würde mich über Meinungen, Stellungnahmen, Anmerkungen und Äußerungen freuen! Schick mir gerne Mails, schreibt mir auf Instagram oder nutzt die Kommentarfunktion … Let’s goooo!




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