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US-Coaches – Der Schlüssel zum Erfolg?


Foto von justshots @justshotsde



Viele ELF-Teams setzen auf Coaches aus den Staaten und zunehmend sind „große“ Namen dabei, die auf Erfahrungen in der NFL verweisen können. Die Rechnung ist simple: Coaches die auf dem hohen Niveau gearbeitet haben, verfügen über mehr Wissen und Erfahrung als europäische Coaches. Aber ist es wirklich so einfach?

 

Mir ist bewusst, dass hier viele Faktoren unberücksichtigt bleiben, so habe ich mir beispielsweise nur die Erfolge der Head Coaches in den bisherigen 3 Jahren der ELF angeschaut, ohne OC und DC einzubeziehen. Natürlich ist Erfolg oder Misserfolg auch nicht nur eine Sache des Coachings. Oder geht jemand davon aus, dass Jim Tomsula mit den Prag Lions eine „perfekt Season“ 2023 hätte spielen können? Ich möchte nur ein paar Anregungen geben, um die Frage der US-Coaches in der ELF zu diskutieren.

 

Man kann zunächst feststellen, dass man in der ELF grundsätzlich einen US Head Coach bevorzugt und diese haben zunehmend eine beeindruckende Vita, oft mit D1 oder gar NFL Erfahrung. Head Coaches wie Coach Schmuck, Coach Kösling, Coach Samel oder Coach Pokorny (um einige zu nennen) bilden da eher die Ausnahme. Ein US-Coach der Coaching-Erfahrung in der NFL oder auf dem höchsten College Niveau hat, hat ohne Frage einen Erfahrungsvorsprung. Coaches die nur in Europa trainiert haben (egal welchen Pass sie besitzen), kennen es nicht auf diesem professionellen Level zu arbeiten. Das scheint zumindest auf den ersten Blick, ein großer Vorteil zu sein, in einer Liga, die die Professionalisierung des American Footballs in Europa vorantreiben will. Denkt man etwas genauer darüber nach, kann dieser Vorteil aber auch zum Nachteil werden. Gelingt es diesem US-Coach nämlich nicht, sich den Gegebenheiten hier anzupassen, zu akzeptieren das er die Spieler nicht rund um die Uhr zur Verfügung hat oder dass die Trainingsmöglichkeiten in den meisten Fällen nicht ansatzweise mit denen in den USA vergleichbar sind, kann besagter Vorteil eben auch ganz schnell nach hinten los gehen. Natürlich werden die Franchises im Vorfeld mit dem US-Coach darüber sprechen und ihnen das darlegen. Aber mal im Ernst, wenn man in ein fremdes Land reist, mit einer deutlich anderen Kultur, hat man ja vielleicht davon gehört oder gelesen … es dann zu erleben, ist aber dann eben doch etwas anderes. Wenn man sich jetzt noch vorstellt, dass man in diesem Land nicht nur Urlaub machen würde, sondern in seinem Job auf Top-Niveau arbeiten soll, bekommt man vielleicht ein Gefühl dafür, dass da mehr mit einher gehen könnte, als man im ersten Moment denkt.

 

Ein anderes Argument ist oft, dass US-Coaches helfen das Football-Wissen in Europa zu vergrößern und den Spielern damit ermöglichen sich durch besseres Coaching zu verbessern. Diesen Punkt kann ich letztlich nicht wirklich beurteilen, aber auch dazu ein Gedanke:

Wenn wir auf der einen Seite von Coaches aus einem riesigen Land in deren Volkssport sprechen und auf der anderen Seite von Coaches in deutlich kleineren Ländern, wo American Football eine Randsportart ist, ist es sicher ganz normal, dass man in der Breite in den USA deutlich mehr hochqualifizierte Coaches findet. In der Spitze allerdings, ist mein Eindruck brauchen sich europäische Coaches wie z.B. Coach Kösling nicht vor ihren amerikanischen Kollegen zu verstecken, die es nach Europa zieht.

 

Dem gegenüber haben europäische Coaches den Vorteil, dass sie die Voraussetzungen unter denen man hier Football spielt genau kennen (meist sogar aus Spieler und Coach Sicht) und sich von daher nicht erst damit anfreunden müssen. Sie haben bewiesen, dass sie unter den hier gegebenen Voraussetzungen erfolgreich arbeiten können. Zudem ist die Football-Gemeinschaft in Deutschland (und das wird in Österreich, Polen oder Italien das gleiche sein) klein und man kennt sich untereinander. Anders ausgedrückt, ist man als „heimischer“ Coach höchstwahrscheinlich deutlich besser vernetzt, als es ein US-Coach (wenn er nicht wie Coach Calaycay schon ewig hier lebt) es jemals sein könnte.  Was auch in das Argument der besseren Vernetzung mit rein spielt, ein Coach Schmuck zum Beispiel ist das ganze Jahr vor Ort und kann sich bei Bedarf um seine Spieler kümmern, während sehr viele der US-Coaches nur während der Season vor Ort sind.

 

Um es mal in ein paar Zahlen gegenüber zu stellen, in allen bisherigen ELF-Playoff Spielen an denen europäische Headcoaches (namentlich Kösling, Nommensen, Samel und Schmuck) beteiligt waren, liegt die Siegquote bei 50% (4 Siege bei 8 Partien). Machen wir die gleiche Rechnung mit US Headcoaches (namentlich Heidelberg, Herron, Jones, Weidinger, Calaycay, Christensen, Neuman und Tomsula) liegt die Siegquote ebenfalls bei 50% (7 Siege bei 14 Partien). Spannend ist in dem Zusammenhang auch, dass mit Calaycay, Herron und Neuman drei Coaches ihren Lebensmittelpunkt schon lange in Europa haben.

 

Wenn ich nur mal die US-Coaches nehme, die keine große Vorerfahrung in Europa hatten (die NFLE rechne ich da nicht mit, dass war eine amerikanische Liga, die durch Europa getourt ist), sagen wir mal weniger als 3 Seasons in Europa, dann bleiben Tomsula und Christensen übrig. Die Playoff-Bilanz von 2 Siegen bei 3 Partien (Quote aufgerundet 67%) klingt beeindruckend und könnte die These untermauern, dass US-Coaches letztlich doch die bessere Wahl sind. Schaut man da aber genauer hin, hat Tomsula in seinen beiden Jahren bei Rhein Fire, nur im zweiten Jahr die Playoffs erreicht. Christensen hat in seinem ersten Jahr zwar die Playoffs erreicht, aber dort kein Spiel gewinnen können. Dem gegenüber stellen kann man dann auch Namen wie Ted Daisher, Kahlil Carter, Norm Chow oder auch John Shoop stellen, wo die der Erfolg mehr oder weniger (bei Shoop sicher weniger) ausblieb.

 

Vor diesem Hintergrund wird es spannend zu beobachten sein, wie die neuen US Headcoaches wie z.B. Jim Herrmann (Raiders), Jim Ward (Seamen), Rip Scherer (Bravos) oder David Shelton (Dragons) sich mit ihren Teams in der 2024er Season schlagen werden.

 

Mein Fazit: Letztlich kommt es wohl auf den einzelnen Coach an, unabhängig von seinem Pass. Aber es nicht von der Hand zu weisen, dass es durchaus mehr gibt, was für europäische Coaches spricht, als man gemeinhin denkt. Vor dem Hintergrund würde ich nur zu gerne mal sehen, was etablierte deutsche Coaches, wie z.B. Coach Fatah oder Coach Odenthal in der ELF bewirken könnten.

 

 

 


Aber ist nur meine Meinung …

 

 

Was denkt ihr? Was sind noch wichtige Aspekte, die hier vielleicht zu kurz gekommen sind?

 

 

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