Interview mit Galaxy Kicker Ryan Rimmler
- balouelf

- vor 18 Stunden
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Foto: Just Shots@justshots.de
Balou: Hallo Ryan, vielen Dank das du dir die Zeit nimmst, mir für „Nur meine Meinung“ ein paar Fragen zu beantworten. Würde man deinen besten Freund bitten dich mit 3 Wörtern zu beschreiben, was denkst du welche das wären?
Ryan: Ich glaube mein bester Freund würde mich als zuverlässig, loyal, und standhaft beschreiben.
Balou: Wenn in Deutschland Kids vor einen Ball treten wollen, machen sie das in der Regel beim Fußball. Wie bist du zum Football und dann auch zum Kicking gekommen?
Ryan: Ich habe selber von Bambini bis A-Jugend Fußball gespielt. Zum „Kicking“ kam ich durch meine High School, die einen Kicker für die Football Mannschaft gesucht haben. Da sie wussten das ich im Mittelfeld spiele und den Ball teilweise über das ganze Feld passe, ich also Power im Bein habe, wurde ich zu einen Probetraining eingeladen. Ich habe es dann mal ausprobiert, weil ich zu einer neuen Challenge nie nein sagen kann. Es hat sich dann recht schnell herausgestellt, dass ich das auf einem sehr hohen Niveau machen könnte und so stand Football dann vor Fußball.
Balou: Würdest du sagen, dass man es als Fußballer etwas leichter hat, kicken zu lernen?
Ryan: Es schadet auf jeden Fall nicht schonmal einen Ball gekickt zu haben, ob es ein Fußball, Rugby, oder sonst irgendwas ist. Heißt aber auch lange noch nicht, dass man es auf einem hohen Level machen kann, auch mit dem Druck der noch dazu kommt.

Foto: Footbowl /Klaus Sack
Balou: Der Druck ist ein interessanter Punkt. Kannst du aus deiner Sicht berichten, wie sich dieser Druck bei einem Kicker aufbaut und wie du persönlich damit umgehst?
Ryan: Ich bin schon immer gut mit dem Druck ausgekommen, persönlich. Mentale Stärke ist einer der wichtigsten Sachen die ein Kicker haben muss. Wie ich durch diesen Druck komme ist durch diese Punkte.
1. Sei für alles mögliche bereit. Mach das in dem du Training sehr ernst nimmst. Perfektioniere deine “Basics”, so dass, wenn du dein Kopf ausschaltest, dein Körper die Bewegung von alleine ausführt.
2. Immer positiv bleiben. Es wird mal was schief gehen und Kicks vorbei gehen. Man MUSS den schlechten Kick abhaken können. Es ist wichtig zu wissen was man falsch gemacht hat aber mehr nicht. Man kann es nicht rückgängig machen.
Balou: Als Kicker bist du ja auch von vielen anderen Faktoren abhängig … Klappt der Snap richtig, macht der Holder seinen Job, passt das Blocking … trotzdem schauen alle auf den Kicker, wenn das Ding daneben geht. Kannst du für Laien nochmal erklären, was alles für einen gelungen Kick passen muss und wie gehst du damit um, dass wenn es schief geht, alle dich ansehen?
Ryan: Also bei eine gute Field Goal Operation hat man ca. 1,35 Sekunden von Snap bis kick. Jede Millisekunde mehr steigen die Chancen enorm das der Kick geblockt wird. Oft läuft der Kicker in der Sekunde los, in der Holder seine Hand hebt um den Snap zu fangen. Da muss vieles stimmen mit Timing und Präzision das man eine erfolgreiche Operation hat, um den Kicker die beste Chance zu geben sein Job zu tun. Wenn der Ball mal sagen nur ein paar Zentimeter beim hold daneben liegt, von “Spot” wo der Ball sein muss, dann könnte der Kontakt Punkt mit dem Fuß auch daneben sein vom perfekten “Sweet Spot”. Allein das könnte den Unterschied machen zwischen ein gutes Field Goal oder einem das daneben geht.
Manche sehen es vielleicht im Stadion oder TV, wenn bei der Operation was schief geht. Die meisten sehen es aber nicht und sehen nur wie der Ball vom Fuß kommt und vorbei geht. Am Ende kann man da nichts rückgängig machen und man muss das abhaken auch wenn du weißt, es lag nicht an dir. Ich bereite mich dann einfach auf den nächsten Kick vor und rede vielleicht an der Sideline kurz mit Long Snapper und Holder um nochmal Sachen zu verfeinern, damit es beim nächsten Mal gut läuft.
Balou: Wie lange braucht es damit du mit Long Snapper und Holder gut eingespielt bist und wieviel Zeit bekommt ihr im Training überhaupt für diese Feinabstimmung?
Ryan: Es ist verschieden bei jeder Unit. In Europa ist es hauptsächlich so, dass es sehr selten reine Long Snapper gibt. Das machen die meisten neben ihrer Hauptposition. Das verlängert dieses einspielen natürlich, einfach weil wir nicht so viel Zeit im Training bekommen, wie es vielleicht nötigt ist. Man hofft das die Vorbereitung in der Pre -Season genug ist, dass man zumindest in einer höheren Prozentzahl hinbekommt. Das kann man nicht mit College und NFL vergleichen, wo es Spieler gibt, die nur „long snappen“.
Balou: Kannst du z.B. bei einem entscheidenden Field Goal mit auslaufender Uhr, die Situation ausblenden oder wie gehst du mit so einer Situation um, wie bereitest du dich darauf vor?
Ryan: Eigentlich gehen ich das an, wie jedes andere Field Goal. An sich kann jeder Kick ein „Game wining Kick“ sein, egal ob die Uhr noch viel Zeit draufhat oder nur ein paar Sekunden. Ich persönlich freue mich auf solche Kicks, weil ich weiß jetzt kann ich der Unterschied sein. Ich mach mir dabei auch nicht wirklich Druck wie manche anderen es vielleicht machen würden. Bei mir ist es das Gegenteil.
Balou: Aktuell sieht es so aus als sei die ELF Geschichte. Wie schaust du aus Spieler Sicht auf 5 Jahre ELF?
Ryan: Ich bin ehrlich gesagt stolz dabei gewesen zu sein. Die ELF hat sehr viel für American Football in Europe getan. Es ist schon etwas schade wie es am Ende war, aber ich habe sehr viel Hoffnung, dass wir mit der EFA auf dem richtigen Weg sind. Ich bin sehr auf die Zukunft gespannt und glaube daran, dass sich das in die richtige Richtung entwickeln wird.
Balou: Die letzten Monate mit AFLE, ELF und EFA waren für die Fans aufregend und teils auch frustrierend. Wie war diese Zeit der Ungewissheit, ob und wie es weiter geht, aus Spieler Sicht?
Ryan: Am Anfang waren wir uns auch nicht ganz sicher mit der Sache. Wir wussten auch nicht viel mehr als die Fans. Jetzt sind wir ganz froh, dass mehr und mehr Infos zusammenkommen und ich denke, es wird eine einzigartige Saison mit spitzem Football. In der EFA haben wir alles Top-Teams, was für spannende Spielesorgen wird.
Balou: Wie schaust du, auf die Nahe und mittelfristige Zukunft der EFA und der AFLE?
Ryan: Ich persönlich würde es lieben ein paar Teams von der AFLE in der EFA zu sehen. Bei einigen anderen Teams, die der AFLE beitreten sollen, bin ich mir nicht ganz sicher wie gut das funktionieren wird, mit zum Beispiel einer zweiten Pariser Mannschaft in Europa. Die Musketeers sind schon recht gut aufgestellt und ich vermute die meisten Talente werden dann eher dort spielen. Dann gibt es noch andere Teams die ich nicht runtermachen will, aber sehe da einfach keine lange Zukunft und kein hohes Football Niveau das die bringen können. Vielleicht werde ich auch positiv überrascht und die AFLE kann eine erfolgreiche Liga werden. Dann würde ich eventuell hoffen das beide liegen ein Champion Game haben können, um wirklich das beste Football Team Europas zu krönen.
Balou: Man hört immer wieder, besonders in den USA, dass American Football vielen auch viel fürs Leben gelehrt hat … was hast du durch American Football fürs Leben gelernt?
Ryan: Football in den USA hat mein Leben verändert. Es hat mich wirklich gelehrt, wie man ein besserer Mann wird, nicht nur aus sportlicher Sicht. ACCOUNTABILITY ist etwas, das sie vom ersten Tag an predigen. Dinge wie für alles pünktlich sein. Wenn du nicht zu früh bist, bist du zu spät. Kümmere dich um die Dinge, die erledigt werden müssen. Während dieser Zeit war es hauptsächlich Football und Schule. Sie waren nicht damit einverstanden, einfach in der Schule “gerade zurecht” zu kommen. Sie wollten, dass wir in jeder Hinsicht Erfolg haben, weil sie wussten das wir es können. Das ist es, was ich von meiner Zeit dort mitgenommen habe, und es wurde auf meine weitere Footballkarriere, meine berufliche Karriere und meine Familie übertragen.
Balou: Mein Blog heißt "Nur meine Meinung …", weil ich es wichtig finde, eine eigene Meinung zu haben und gleichzeitig andere zu akzeptieren. Wenn du dir irgend jemand aussuchen könntest (egal ob reale, fiktive oder historische Person), mit wem würdest du gerne mal diskutieren und Meinungen austauschen? Und was wäre das Thema?
Ryan: Das ist eine unglaubliche Frage. Ehrlich gesagt ich kann an Niemanden denken außer mein jüngeres ich. Ich hätten da ein paar Themen über Sport, Schule, und generell das Leben. Nicht das ich jemals den Weg den ich genommen habe ändern würde, aber vielleicht bei einigen Sachen ein bisschen mehr vorbereitet zu sein und Sachen früher ernst zu nehmen, die ich erst später wahrgenommen habe.
Balou: Ryan, ich danke dir, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast und wünsche dir eine erfolgreiche und verletzungsfreie Season 2026!
Ryan: Habe ich sehr gerne gemacht! Danke dir für die super Fragen. Hat mir sehr viel Spaß gemacht!




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