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Interview mit Galaxy HC Thomas Kösling


Foto von Just Shots @justshotsde


Balou: Hallo Coach K, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mir für „Nur meine Meinung“ ein paar Fragen zu beantworten. Würde man deinen besten Freund bitten dich mit 3 Wörtern zu beschreiben, was denkst du welche das wären?

Coach K: Hilfsbereit, zuverlässig und vertrauensvoll.



Balou: Du bist, soweit ich weiß, der einzige Headcoach der Liga, der diesen Posten „nebenberuflich“ bekleidet. Nehmen wir die Terminologie bei den Spielern, bist du also ein „Homegrown“. Wie schwierig ist es, deinen regulären Job und den HC Job, zu vereinen?


Coach K: Ich kenne keine andere Situation, deswegen mache ich mir darüber nicht so viele Gedanken, ob es schwer ist oder nicht. Ich mache es einfach und ordne dem vieles unter. Das Wichtigste ist ein Umfeld was einen unterstützt und vor allem Verständnis zeigt. Zeit ist ein sehr rares Gut, speziell während der Saison und ich bin sehr dankbar das ich eine tolle Frau habe, die mir keinen zusätzlichen Druck macht, wenn ich nicht oft da bin. Ich bin mir bewusst, dass es nicht ewig gehen wird, deswegen genieße ich es umso mehr.



Balou: Ein Homegrown Spieler hat mir mal gesagt, dass er ca. 30 Stunden in der Season und ca. 10 Stunden in der Off-Season in American Football investiert (ohne die Auswärtsfahrten zu rechnen, also nur Training, Spiel, Videostudium etc.). Wie ist das bei dir als HC?

Coach K: Das ist nicht wirklich messbar, weil es quasi ein 24 Stunden Job ist. Es passiert immer etwas dem man sich widmen muss. Im Prinzip habe ich einen Kader von 65 Spielern und 15 Coaches zu betreuen. Dazu kommen noch die Themen mit GM Sportdirektor oder Teammanagement. Und hier sind noch nicht das Videostudium des Trainings, des Gegners und die Erstellung des Gameplans dabei. Ich sage mal so, 24 Stunden gehen sehr schnell um (lacht).


Balou: Wenn wir mal kurz über den großen Teich schauen, fasziniert mich immer wieder, dass gute OC oder DC, nicht zwangsläufig gute HC sind. Neben den Rahmenbedingungen in die sie kommen, scheint es auch so zu sein, dass es noch mal ein anderes Anforderungsprofil für HC gibt. Was braucht es als HC und wo siehst du Unterschiede im Anforderungsprofil zum OC bzw. DC?


Coach K: Als HC bist du quasi das Familienoberhaupt. Du musst Leitplanken setzen, immer wieder schauen, dass diese eingehalten werden. Du musst viel mehr im zwischenmenschlichen und sozialen Bereich agieren, um das Schiff auf Kurs zu halten. Du bist dafür verantwortlich das alle in die gleiche Richtung gehen. Als OC oder DC kannst du dich mehr auf die sportlichen Sachen konzentrieren, System, Trainingsgestaltung, den Gegner. Du wirst vor allem an der Qualität deiner sportlichen Arbeit gemessen. Als HC ist die Führungsqualität und menschliche Komponente viel wichtiger. Deswegen kann man auch nicht sagen, dass ein guter OC auch ein guter HC ist, weil es zwei verschiedene Welten sind.


Balou: Als HC hat man sicher eine Vorstellung, wie man Football spielen will. Wie wichtig ist es da, flexibel zu sein und seine Vorstellungen an die Stärken/Schwächen der Spieler anzupassen?


Coach K: Das ist eher der Bereich des OC und des DC die vor allem für die Ausrichtung der jeweiligen Mannschaftsteile zuständig sind. Als HC beobachtet man, stellt Fragen, diskutiert und sagt natürlich seine Meinung wie man gewisse Dinge gerne hätte. Für mich als HC ist aber vor allem Vertrauen wichtig. Wenn ich einen Koordinator einstelle, dann soll er auch seine Philosophie ausleben können und sich nicht eingeengt fühlen.


Balou: Die ELF ist ja keine Liga wo irgendwer reich wird. Was sind bei der Suche nach Spielern oder auch Coaches die entscheiden Faktoren, um jemand für seine Franchise zu gewinnen?


Coach K: Es gibt viele Faktoren, die auch irgendwie alle zusammenspielen und je besser diese Faktoren harmonieren, umso mehr Spieler kann man für sich gewinnen. Im sportlichen geht es sicherlich um eine „Winning Culture“. Ist man ein erfolgreiches Franchise? Hat man in den letzten Jahren erfolgreich Football gespielt? Kann man Spieler weiterentwickeln? Welche Coaches sind dabei? Wie sind die Trainingsmöglichkeiten? Hat man eine Chance den Titel zu gewinnen? Ein weiterer Faktor ist sicherlich das Umfeld: Stadion, die Fans, die Stadt und das Drumherum. Gerade in einem niedrig bezahlten Sport hat das eine vielleicht noch größere Bedeutung. Natürlich macht es mehr Spaß vor 7000 Zuschauern zu spielen als vor 800. Natürlich macht es mehr Spaß, wenn man mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Ein ganz wesentlicher Punkt ist aber auch die Betreuung der Spieler auf die ich großen Wert lege. Fühlen sich die Spieler gut aufgehoben, wird ihnen bei Problemen geholfen, behandelt man sie gut. Es ist ein sehr komplexes Gerüst und gerade das macht den Reiz des Recruitings aus.


Balou: Ein weiteres spannendes Thema ist der Prozess wie ein Gameplan entsteht. Wie gehst du da vor? Was sind die ersten Schritte und wie wird das dann verfeinert?


Coach K: Video, Video, Video. So simple es sich anhört, so einfach ist. Man schaut sich den Gegner unzählige Male an. Ich zeichne in einem dafür vorgesehenen Computerprogramm die Spielzüge der Gegner auf, so bekomme ich einen visuellen Eindruck und kann leichter erkennen welche Systematiken sie haben. Dann geht man in die Details, Down and Distance, Tendencys, in Vorlieben und Matchups. Es ist vor allem eine große Fleißarbeit die damit endet, dass man sein eigenes System dann an den Gegner anpasst, kleine Veränderungen vornimmt um hoffentlich einen Vorteil zu erzielen.

Balou: Wenn du einen Preis für den „unbesungenen Helden“ der Franchise oder der Liga vergeben würdest, wer würde den Preis bekommen?


Coach K: Die vielen Helfer rund um das Team ohne die ein so komplexer und vor allem großer Aufwand nie zu stemmen wären. Wir haben so viele tolle und Hilfsbereite Leute in der Organisation und rund um das Team. Sie sind die wahren Helden.


Balou: Uns beide vereint die Liebe zum 1.FC Köln, der aktuell ja einen bemerkenswerten Cheftrainer hat. Mit welchem Blick schaut man da als Cheftrainer einer anderen Sportart drauf, gibt es da vielleicht Dinge die dich in deiner Arbeit als HC inspirieren?


Coach K: Gerade als HC schaue ich immer wie gibt sich ein Cheftrainer, wie kommuniziert er, wie authentisch ist er, was sagt er, wie kommt er rüber. Daraus ziehe ich sehr viel. Nicht in dem Maße, das ich es nachmache, sondern es geht um die Art und Weise wie man ein Team führt. Ich schaue mir sehr gerne Interviews an, weil man da immer ein paar Sachen für sich entdecken kann und ein Gefühl dafür bekommt.

Balou: Mein Blog heißt „Nur meine Meinung …“, weil ich es wichtig finde, eine eigene Meinung zu haben und gleichzeitig andere zu akzeptieren. Wenn du dir irgend jemand aussuchen könntest (egal ob reale, fiktive oder historische Person), mit wem würdest du gerne mal diskutieren und Meinungen austauschen? Und was wäre das Thema?


Coach K: Das ist schwer zu beantworten, weil es so viele Bereiche im Leben gibt die spannend sind. Aus dem Sport würde ich mich gerne mit Jürgen Klopp unterhalten. Seine Authentizität ist einzigartig auf diesem Niveau. Er schafft es gefühlt, dass seine Spieler an ihn glauben und für ihn durchs Feuer gehen. Er kommt sehr echt rüber und hat mit dieser Art überall Erfolg. Das ist sehr beeindruckend und etwas mit dem ich mich identifizieren kann.

Der nächste wäre Dirk Nowitzki. Ich bewundere, wie hart und wie konsequent er für seinen Traum gearbeitet hat, dabei aber immer bescheiden geblieben ist und trotz seines Status und Erfolge ein absoluter Teamplayer war. Ich finde er ist das Paradebeispiel für einen Musterprofi, der sich immer dem Erfolg der Mannschaft unterordnet.



Balou: Coach, danke das du dir die Zeit genommen hast. Ich wünsche dir und der Galaxy eine erfolgreiche Season 2024!

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